Schreibwerkstatt Gewinner
Bei der Schreibwerkstatt des Habbo Hotels Schweiz steht mal wieder ein Gewinner fest. Das Thema diesmal lautete “Die Verwandlung“. Gewonnen hat olf98 mit der Geschichte „Der Leerenwandler“. Das nächste Thema lautet “Über die Grenze“. Bewerben kannst du deine Geschichte im Gruppen Forum der Schreibwerkstatt Gruppe. Die Hotelleitung verweist nochmal darauf auf, dass die Geschichte selber geschrieben werden müssen.
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Der Leerenwandler
Es war dunkel über der Stadt Zhaun. Der Regen prasselte gegen die Fenster und auf die Dächer der Häuser hernieder. Unbarmherzig. Die Wolken hatten die sonst so dünnen und trüben Sonnenstrahlen schon längst verdrängt.
Niemand hätte an diesem Tag sagen können, ob es zu dem Zeitpunkt, an welchem alles begann, wirklich Tag war oder Nacht.
In einer dunklen und verdreckten Nebengasse tönten Schreie aus einem der Fenster. Eine junge Frau lag schwitzend in einem muffigen, alten Bett. Die Schmerzen, welche sie hatte, waren ihr ins Gesicht geschrieben. Sie hatte langes, aschblondes Haar, dass ihr jetzt feucht und völlig zerzaust ins Gesicht und über den Schultern hing. Ihre trüb-blauen Augen waren weit aufgerissen und wirkten wahsinnig.
Voller Schmerz hielt sie sich mit einer Hand an der Bettdecke fest und mit der anderen umklammerte sie die Hand eines Mannes so fest, dass diese schon völlig blutleer war.
Der Mann neben ihr war groß und schlacksig. Seine kurzen, schwarzen Haare hoben sein kantiges Gesicht und die grauen Augen noch besser hervor. Angespannt blickte er abwechselnd von der Frau zu dem Arzt, welcher sich am Bettende befand und die Frau bei der Geburt so gut es ging, unterstützte.
Schließlich gebar sie nach einigen Stunden einen Sohn. Das Kind war etwas besonderes, denn es hatte schon von Geburt an graue Augen, wie die seines Vaters. Der Arzt übergab den Jungen seiner Mutter und sie sagte:
“Wir werden in Kaspar nennen. Kaspar Radin.“
Noch ehe der Mann neben ihr ein Wort erwidern konnte, starb sie.
Nach dem Tod seiner Mutter wurde der Junge Kaspar von seinem Vater erzogen. Zwar war der Vater ein vielbeschäftigter Mann, doch opferte er jede freie Minute für den Jungen. Er lehrte ihn schon früh, was Disziplin bedeutet und das Kaspar sich vor nichts zu fürchten hätte, solange er sich selber treu bliebe.
Als Kaspar dann die Schule besuchte zeigte sich schnell, dass er überaus intelligent war. Die Kinder in seiner Schule mochten ihn nicht, denn er hatte diese ungewöhnlich grauen Augen. Der Junge störte sich nicht daran, wusste er doch, dass er etwas Besonderes war. Im Alter von 13 Jahren dann begann er sich zu verändern. Er war eines Tages in Abteilung für verbotene Wissenschaften geraten, da er einen Aufsatz darüber anfertigen musste.
In einem der Bücher fand er Hinweise auf etwas, dass sein Interesse weckte. Eine Dimension, welche unvorstellbare Mächte in sich barg und die kaum erforscht, dennoch als überaus gefährlich eingestuft wurde: die Leere.
Nun begann er, so viele Informationen wie nur möglich über diese Dimension zu sammeln. Innerhalb der nächsten 3 Jahre veränderten die Nachforschungen Kaspars Wesen grundlegend. Er schloss sich fast täglich in sein Zimmer ein und studierte immer wieder und wieder seine Bücher. Die Schule hatte er mittlerweile abgeschlossen und mit Bravour bestanden. Sein Vater, so stolz er auch deswegen war, machte sich zusehends mehr und mehr Sorgen um seinen Sohn.
Doch jeder Versuch, mit Kaspar zu reden, oder etwas zu unternehmen, endete in einer hasserfüllten Rede des Jungen, der von der Welt, in der lebte, nichts mehr wissen wollte. Sie konnte ihm nicht das geben, wonach er nun so sehr strebte: Wissen, und die damit verbundene Macht.
Am Jahrestag seiner Geburt änderte sich Kaspar Radin vollends.
Es war, wie vor 18 Jahren. Der Himmel war so dunkel, dass man den Tag nicht mehr von der Nacht unterscheiden konnte und der Regen prasselte ihn Strömen hernieder. Eine hochgewachsene Gestalt in einem Kapuzenmantel ging durch die finsteren Gassen von Zhaun.
Obwohl der Weg, denn die Gestalt beschritt, dem eines Labyrinthes nicht unähnlich war, wusste sie scheinbar genau, wo sie hinwollte. Doch bemerkte sie nicht, dass sie verfolgt wurde.
‘Nur noch 2 Straßen weiter‘ dachte Kaspar ‚dann bin ich endlich am Ziel meiner langjährigen Suche.‘ Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, als er den Gedanken fasste.
Jetzt stand er vor einer meterhohen Mauer eines kleinen Hinterhofes. Es war dreckig in diesem Teil der Stadt, noch dreckiger, als in den anderen Stadtteilen.
Er drehte sich um, weil er ein Geräusch gehört hatte, doch er konnte niemanden entdecken. Als er sich wieder der Mauer zuwandte, starrte ihn ein glühendes Augenpaar hinter der Finsternis einer Kapuze an.
“Der Nacht ist dunkel“ sagte der Fremde.
“Nicht so dunkel, wie das Wort“ entgegnete Kaspar kühl. Der Fremde griff daraufhin in seinen Umhang und zog ein violett schimmerndes Buch hervor. Nichts war auf dem Einband zu entdecken, kein Schriftzug war zu sehen. Innerlich grinste Kaspar, jetzt war er am Ziel all seiner Wünsche.
Er streckte die Hand nach dem Buch aus und wollte grad danach greifen, als eine Stimme sich aus der Gasse erhob.
“Kaspar, dass darfst du nicht. Dieses Wissen würde dich endgültig um deinen Verstand bringen. Junge, lass davon ab.“ Es war sein Vater, der ihm den ganzen Weg gefolgt war.
“Hau ab, alter Mann! Ich kann dich hier nicht brauchen.“ Mit diesen Worten wandte sich Kaspar wieder dem Fremden zu, doch sein Vater kam herüber und zog seinen Sohn weg.
“Das war nicht abgemacht, niemand sollte dir folgen. Kein gewöhnlicher Mensch sollte Kenntnis von der Existens dieses Buches haben. Dafür wirst du bezahlen.“ Der Fremde schlug das Buch auf und murmelte eine wenige, unverständliche Worte. Plötzlich hörte der Regen auf. Die Luft schien zu vibrieren und Kaspar hatte das Gefühl, dass sich Raum und Zeit verschoben. Dann sah er es. Keine 5m von ihm entfernt riss die Luft auf und gab den Blick in eine violette Finsternis preis. Er fürchtete sich nicht, er war begeistert. Vor ihm lag ein Portal in die Leere. Endlich war er am Ziel.
Ein Dröhnen drang aus dem Riss und Kaspar und sein Vater mussten sich beide Ohren zuhalten, um den Lärm ertragen zu können.
Dann öffnete sich das Portal noch weiter und eine Kreatur entstieg dem Riss in der Dimension. Sie war mit Nichts in Kaspars Welt vergleichbar: insektenhaft sah die riesige Bestie aus. Schnell hatte sie den Jungen entdeckt und stürmte auf ihn zu, das Maul weit aufgerissen.
Endlich begriff er, was ihm bevorstand. Er würde für seinen Wahn getötet werden. Die Bestie setzte schon zum Sprung an, da riss etwas Kaspar nach hinten, sodass er hart mit dem Kopf gegen eine Mauer schlug und bewusstlos zu Boden sackte.
Er wusste nicht, wie lange er bewusstlos gewesen war als er erwachte. Ein leises Summen drang an seine Ohren und irritierte ihn anfangs. Als er sich daran gewöhnt hatte, stand er auf und öffnete seine Augen.
Niemand war zu sehen, die Bestie war weg und er lebte. Erleichtert sah sich Kaspar um.
“Vater?“ rief er in die tiefe Dunkelheit hinein. Niemand antwortete. Dann entdeckte er es: eine Blutspur zog sich durch die Gassen, weg vom Portal. Er folgte dieser rennend, so schnell ihn seine Beine tragen konnten. Nach einigen Metern endete die Spur plötzlich vor einer Wand. Er sah nach oben und entdeckte einige Fetzen Kleidung, welche in Blut getränkt, an der Wand verteilt waren.
“Va…Vater…“ Kaspar sackte in sich zusammen. Jetzt wurde ihm bewusst, was er mit seinem Wahn nach dieser Dimension angerichtet hatte und endlich begriff er, warum man so wenig wie möglich darüber wissen sollte.
Dann stieg der Hass in ihm auf, Hass auf den Fremden, der die Bestie beschworen hatte und Hass auf die Kreatur, die seinen Vater getötet hatte.
Schnell stand er auf und lief wieder zurück zu dem Portal, durch welches sowohl der Fremde, als auch das Wesen gegangen sein mussten. wie er annahm.
Pulsierend schwebte der Riss vor ihm, immernoch summend, in der Luft. Kaspar machte einige Schritte darauf zu und stand schließlich keine handbreit entfernt vor dem Portal. Mit einem entschlossenen Schritt trat er hindurch..
Kaum, dass sein Körper die Leere betreten hatte, begann die Leerenenergie seinen Körper zu durchströmen. Es schien, als würde Kaspar innerlich verbrennen. Etwas tötete ihn und nagte an seiner Seele. Er kämpft so gut er konnte dagegen an, doch wieder einmal gewannen die Schmerzen die Oberhand und er fiel in Ohnmacht.
Erneut erwachte er durch ein monotones Summen, welches an sein rechtes Ohr drang. Er öffnete die Augen und blickte in Richtung des Geräuschs. Eine konzentrierte Energie pulsierte keinen halben Meter von ihm entfernt. Schnell war hellwach. Er wollte aufspringen und weglaufen, doch das Summen ließ sich nicht vertreiben. Dann blickte er an sich herunter und erschrak. Die Energie strömte aus seinem Körper und formte etwas, das man als Klinge hätte bezeichnen mögen. Er schwang sie einige Male und stelle fest, dass die Energie ihm gehorchte und sein Körper immer mehr davon produzierte. Er konnte die Leerenenergie vollends lenken.
Er betastete mit der linken Hand sein Gesicht und musste erschreckt feststellen, dass er eine Maske aufhatte, die scheinbar mit ihm verschmolzen war. Doch so konnte er atmen und hatte keinerlei Schmerzen.
Dann fiel es ihm wieder ein: das Portal. Er blickte sich um, doch konnte er nichts entdecken. Dann fiel ihm alles andere wieder ein und sein Hass und seine Wut kochten wieder in ihm auf. Er versuchte sich zu beruhigen. Er hatte jetzt die Macht bekommen, die Welt vor dieser Dimension zu schützen.
Er sah sich als Beschützer und als Rächer zugleich. Den jungen Mann Kaspar Radin gab es nun nicht mehr. Von jetzt an existierte nurnoch Kassadin. Der Leerenwandler.
killboy246 schrieb am 22. Juli 2010 um 12:38 #
Ist ganz ok ;)