Neuromancers Schreibwerkstatt
Schon seit längerem veranstaltet Neuromancer, der deutsche Hotelmanger, die Schreibwerkstatt. Dort haben Habbos die Möglichkeit die gerne kreativ schreiben, sich mit ihren Geschichten zu bewerben und mit etwas Glück ein schickes Badge zu gewinnen.
Das Thema diesen Monats lautete „die verbotene Frucht“. Es waren auch dieses mal wieder sehr viele gute Geschichten dabei. Du kannst sie in im Schreibwerkstatt-Forum nachlesen.
Aber letzten Endes kann nur einer Gewinnen. sad.ending.x3 hat die beste Geschichte geschrieben. Wobei Neuromancer noch ein besonderes Lob an -.erdbeere.- und winkmirzu aussprach.
Die Gewinner-Geschichte:
Die verbotene Frucht (2010)
Sie wirft einen letzten Blick auf die Obstschale, den Toaster, den Kühlschrank und den Herd, bevor sie sich umdreht und die Tür zuschlägt, die Fingernägel in die Handinnenflächen bohrend. Sie darf nicht Essen.
Den gelben Klebezettel finden ihre Augen fast wie automatisch. ‚Iss‘ steht dort in sorgfältig aufgeschriebenen, großen, schwarzen, mit Edding geschriebenen Druckbuchstaben. Sie reißt den Zettel ab und zerknüllte ihn in ihrer Hand. Vier Schritte weiter hängt der nächste. Weg. Zerknüllen. Ein weiterer im Rahmen ihrer Zimmertür. Ab.
Sie knallt die Tür hinter sich zu, geht zu ihrem Schreibtisch, wirft die Zettel in den Papierkorb in dem schon zig andere dieser Zettel liegen. Sie betätigt den Einschaltknopf ihres Computers. Im noch schwarzen Bildschirm spiegelt sich ihr Gesicht. So furchtbar dick. Ihre Finger sind an ihren Wangen, ziehen sie zurecht, sie versucht zu Lächeln. Es sieht aus wie eine schreckliche Grimasse.
Der Bildschirm wird blau, sie lässt ihr Gesicht los und gibt ihr Passwort ein. Einen Augenblick lädt der Computer noch, sie sieht ihre Umrisse, schließt die Augen. Zu dick. Viel zu dick um schön zu sein. Als sie die Augen wieder öffnet sieht sie ihren Hintergrund, automatisch öffnet sich der Messenger. Ein Gespräch öffnet sich. Iss etwas. Der Kontakt ist offline.
Sie verzieht ihr Gesicht, klickt die Nachricht weg, schreibt jemanden an. Ihr Computer rattert, sonst ist alles still. Niemand antwortet. Die Minuten vergehen. Sie wartet. Es rührt sich nichts, sie macht ihn wieder aus. Ehe sie den schwarzen Bildschirm wieder sehen kann, hängt sie ein rotes Tuch darüber. Als sie aufsteht, erhascht sie einen Blick im Spiegel. Ihre Hose spannt sich über ihren Bauch und ihre Beine. Sie braucht eigentlich eine größere. Zu fett. Sie kann keine größere Größe kaufen. Sie kann nicht.
Ein Schlüssel dreht sich in der Eingangstür.
„Mama?“
„Ja Schätzchen ich bin es, habe aber nicht viel Zeit.“
Sie tritt hinaus in den Flur. Ihre Mutter hat ihre Handtasche und eine weiße Plastiktüte schon aufgehängt und ihren Schlüssel weggelegt, sie verschwindet in ihrem Zimmer, ein paar Minuten vergehen. Sie kommt wieder, hat etwas anderes an.
„Ich habe ein paar frische Erdbeeren mitgebracht.“
Ihre Mutter nimmt die weiße Tüte und läuft in die Küche. Sie hört den Wasserhahn und das Klappern einer Schüssel. Sie dreht sich um, geht in ihr eigenes Zimmer, setzt sich aufs Bett. Ihre Mutter steht kurze Zeit später in der Tür, eine Schale mit den Erdbeeren in der Hand. Sie stellt sie neben den Computer.
„Oh hast du es dir ein bisschen gemütlich gemacht?“, fragt ihre Mutter und deutet auf das Tuch. Sie nickt, sagt nichts.
„Ich muss wieder los. Es tut mir Leid, mein Engelchen“ Ein kurzer Kuss, ein bisschen Rascheln im Flur, dann fällt die Tür ins Schloss.
Sie sitzt noch immer dort, die Schale genau in ihrem Blickfeld. Ein grimmiges Lächeln bildet sich in ihrem Gesicht. Sie kann den Blick nicht abwenden. Wasser läuft ihr im Mund zusammen. Eine kleine winzige Erdbeere… nein! Verboten! Dick sein! Gelächter! Sie springt auf, reißt die Schüssel von ihrem Platz, sprintet in die Küche, öffnet den Mülleimer. Sie hört die Schüssel zu Bruch gehen. Egal. Weg. Sie läuft zurück, schaltet den PC und das Radio an. Verhängt auch den anderen Spiegel. Erst nach einigen Minuten als sie ganz sicher sein kann, dass der Computer wirklich hochgefahren ist, nimmt sie das Tuch weg, gibt ihr Passwort ein. Mit geschlossenen Augen drückt sie Enter. Sie wartet bis die vertraute Melodie erklingt, wartet noch länger. Sie schreibt wieder einen Kontakt an. Wieder antwortet niemand. Die Radiomoderatorin erzählt etwas von Eis essen gehen. Sie schaltet es ab. Stille.
„IHR KÖNNT MICH ALLE MAL! ICH BIN NICHT KRANK! ICH BIN FETT! SO SCHRECKLICH FETT! ICH DARF NICHT ESSEN!“ Stille. Und sie springt auf und rennt und knallt die eine Tür und zieht sich Schuhe an und knallt die andere Tür zu und rennt und rennt und rennt.
Sie holt tief Luft, zählt bis zehn. Dann schlägt sie die Augen auf, starrt die Tür an, starrt den Computer an, wischt die Tränen beiseite. Der nächste
Griff geht zur Schublade. Gelbe Klebezettel und einen Edding. Iss.
Wenn Du selber mal Lust hast eine Geschichte zu schreiben, oder auch nur dich mit anderen Autoren austauschen willst, dann gehe in die Schreibwerkstatt Gruppe.
Folgende Regeln gelten im Wettbewerb:
- Wer Geschichten klaut, wird dauerhaft vom Wettbewerb ausgeschlossen
- Wer bei der Schreibwerkstatt gesperrt ist, darf auch nicht mehr in der Reitwerkstatt mitmachen
- Bearbeitete Geschichten werden nicht gewertet